Heute ist der 8. Januar – und wir haben Schnee in Schleswig-Holstein. Das ist selten und ich genieße es sehr. Diese Temperaturen kurz unter Null und schon seit ein paar Tagen beständig. Der Schnee bleibt liegen. Hin und wieder kommt eine Schicht aus winzigen Kristallen dazu.
Jeden Morgen sitze ich in der Dämmerung draußen. Warm eingepackt in Jacke und Decke- mit dicken Socken und einem heißen Getränk. Ich genieße die klare Luft, das Gefühl von Durchatmen können. Ich genieße die Stille, die über allem liegt, obwohl Nachbarn zur Arbeit fahren und Kinder zur Schule. Alles ist stiller als sonst, alles ist heller als sonst, auch wenn es eigentlich noch dunkel ist. Doch der Schnee bringt seine ganz eigene Magie.
Heute ist der 8. des Monats, wieder ein Tag, an dem Susanne Wagner uns einlädt, achtsam zu sein (oder achtsamer als sonst) und 8 Eindrücke aufzuschreiben. 8 Sammeln am 8. des Monats eben.
Ich freue mich schon. Seit Tagen bin ich gespannt, welche Eindrücke mir begegnen, was mich zum Teilen inspiriert.
Und heute freue ich mich, dass ich daran gedacht habe, dass heute der 8. ist. Puh. Jetzt darf es also losgehen.
Was liegt also näher als achtsam den Schnee wahrzunehmen mit all seinen Facetten?
Ich beginne und lasse mich treiben…. und ende in 8 achtsamen Beobachtungen und Gedanken zu WÄRME. Ironie?
Auf den ersten Blick viellicht, aber im Licht von Yin & Yang, der Theorie der beiden Energien, die sich ergänzen, bedingen, in einander über gehen und nicht ohne einander können, ist es absolut naheliegend.
Der Schnee hilft mir praktisch, WÄRME wahrzunehmen. Weil er sie viel deutlicher macht. Weil Schnee die Kälte betont, wird WÄRME greifbarer, präsenter. Und deshalb kann ich dich heute mitnehmen zu meinen 8 Momenten der Wärme.
Meine 8 Momente der WÄRME
- Ein Hundebauch
- Meine Decke – innen warm, außen kalt
- Die Wärme von Tee, die mich innerlich nährt
- Ein lieber Mensch & ein warmer Blick
- Ein Fremder – und doch so viel Wärme in der Stimme
- Wo fängt Wärme an? Wenn Nasenflügel Fragen stellen
- Kann ich Wärme riechen?
- Wärme im INNEN – lieber links oder rechts?
Ein Hundebauch
Nicht meine erste Wärmeerfahrung des Tages, und doch sehr intensiv. Während ich nachdenke, mich inspirieren lassen und mit geschlossenen Augen da liege, kuschelt sich etwas an mich – ein kleiner flauschiger Hund legt sich auf meine Hand. Zunächst nehme ich nur das Fell wahr und wie weich es ist.
Doch nur Augenblicke später, wird mir warm. Wird meine Hand warm. Wie eine Wärmflasche liegt dieser kleine Bauch auf mir, hebt und senkt sich mit dem Atem, ab und zu ist ein kleines Schnarchen zu hören. Es geht so viel Wärme von dem Bauch aus- in meine Hand. Und gleichzeitig erreicht so viel Wärme mein Herz- wegen dieser Atemzüge, wegen des Vertrauens, das sie mir entgegenbringt, wegen der Niedlichkeit der Schnarcher.
Ich bin überzeugt: Wärme ist überall.

Meine Decke – innen warm, außen kalt
Als ich meinen Tag heute Morgen mit Journaling auf der Terrasse im Schnee beginne, wickle ich meine Beine in eine Decke. Man weiß schließlich nie, wie lange das dauern wird… Zunächst ist die Decke auf meinen Beinen „neutral“, also weder besonders kalt noch besonders warm.
Doch eine Seite weiter bemerke ich, dass meine Beine schön warm sind.
Ich lege gedankenverloren eine Hand in den Schoss- und zucke zusammen, so kalt ist die Decke von oben. Minus 5 Grad eben.
Aus einem Reflex heraus ziehe ich die Hand ein, lege sie in meinen Schoss. Diesmal im Schutz der Decke. Unter der Decke – und genieße hier die Wärme.
Das irritiert mich, denn das Gefühl, dass die Textur des Stoffes macht, ist dasselbe von oben wie von unten. Nur mal kalt, mal warm.
Die Wärme von Tee, die mich innerlich nährt
Mit dabei heute Morgen: meine Tasse Tee.
Heiß ist der Tee, Dampf steigt deutlich sichtbar auf.
Ich halte die Tasse mit beiden Händen. Genieße die Wärme in meinen Handflächen und obwohl es mir eh schon ganz ok geht, geht es mir in diesem Augenblick schlagartig besser – ich fühle mich so geborgen. Von einer Tasse heißen Wassers. Bemerkenswert.
Während ich diesem Gedanken nachhänge, nehme ich den ersten Schuck Tee. Vorsichtig, er scheint so heiß zu sein. Doch meine Sorge ist unbegründet: ein paar Minuten an der frischen Luft und schon hat mein Tee genau die richtige Trinktemperatur.
Ich genieße den ersten Schluck, spüre die Wärme in meinem Mund, dann in meinem Hals. Mit dem zweiten Schluck breitet sich auch Wärme in meinem Bauch aus.
Ich mag dieses Gefühl und nehme einen weitern Schluck – immer wieder bis die Tasse schließlich leer ist.
Ein paar Augenblicke halte ich sie noch fest in meinen Händen, vielmehr halte ich mich an der Tasse fest, an der Erinnerung an das Gefühl von Geborgenheit, dass mir ihre Wärme geschenkt hat. Dann nehme ich sie mit nach drinnen um meine Gedanken aufzuschreiben.

Ein lieber Mensch & ein warmer Blick
Später beim Mittagessen mit meinen Lieben erzähle ich, was mich heute beschäftigt: Wärme in all ihren Facetten. Und sofort entdecke ich eine weitere Facette: warme Blicke.
Liebevoll belächelt werden meine Gedanken und Ausführungen, ganz kurz spüre ich den Impuls mich vehement zu verteidigen, zu rechtfertigen… und da sehe ich sie, spüre die warmen Blicke und bin schlagartig versöhnt. Nein, sie verstehen es nicht, würden nie selber solche Überlegungen anstellen, und doch darf ich genau so sein. Sind diese Überlegungen ein Teil von mir – den sie sehr schätzen. Danke für diese warmen Blicke.
Ein Fremder – und doch so viel Wärme in der Stimme
Kurze Zeit später klingelt der Briefträger an der Tür. Nicht der, der immer da ist. Man kennt sich ja schon. Nein, heute ist es jemand anders. Ich kenne ihn nicht, und er kennt uns nicht. Bisher. Ich öffne die Türe und schon drängt sich eine Hundeschnauze nach draußen. Ich werde hektisch, möchte die Nase sofort zurückzuholen. Doch er bleibt ruhig. Im Gegenteil – ich höre, wie er sagt „Oh, hallo, du wohnst hier? Ich mag Hunde.“ Und da ist dieser Unterton – von Wärme in seiner Stimme.
Wo fängt Wärme an? Wenn Nasenflügel Fragen stellen
Wo fängt Wärme an? Wie Nasenflügel Fragen stellen
Während ich am Morgen draußen sitze und die Gedanken schweifen lasse, läuft die Zeit. Ich schaue nicht auf die Uhr, bin nicht in Eile, aber recht plötzlich bemerke ich, dass mir kalt wird.
Und zwar nicht irgendwo, sondern: an meinem linken Nasenflügel – von außen.
Ja, an meinem linken Nasenflügel. Er fühlt sich eisig an. Fast schon taub.
Vielleicht ist das nicht überraschend, es ist minus 5 Grad, ABER: mein rechter Nasenflügel ist nicht kalt. Kommt mir zumindest so vor. Vermutlich ist er auch kalt- aber gegenüber dem linken fühlt er sich warm an. Das fasziniert mich. Links, rechts. Immer wieder springt meine Aufmerksamkeit von Nasenflügel zu Nasenflügel – und dann wieder in den Kopf („Wie kann das sein?“). Eine „Lösung“ finde ich nicht.
Aber ich nehme mit das beruhigende Gefühl, dass so vieles relativ ist. So gar die beiden Seiten einer Nase.
Wärme im INNEN – lieber links oder rechts?
Abends bereite ich eine Yin-Klasse vor. Auch hier bin ich ganz inspiriert von WÄRME. Ich mache ein Experiment:
Ich liege auf dem Rücken auf meiner Matte, lang ausgestreckt, und gleichzeitig gebogen wie eine Banane : Bananasana – und übe eine Atemlenkung.
Dafür atme ich ein und stelle mir vor wie ich während der Einatmung Wärme in mein Herz einlade und von dort im Körper verteile.
Zunächst verteile ich die Wärme auf meiner linken Körperhälfte- links die Rippen entlang nach unten – linke Hüfte, das linke Bein hinunter – linker Fuß, großer Zeh bis in die Zehenspitze.
Einige Atemzüge so.
Dann verteile einige Atemzüge die Wärme vom Herzen nach oben: linkes Schlüsselbein, Schulter, Arm, linke Hand, linker Daumen bis in die Daumenspitze.
Und es funktioniert: Meine ganze linke Körperhälfte empfindet Wärme. Binnen kürzester Zeit und ganz ohne Decke. Das überrascht mich nicht.
Mich überrascht, wie klar ich den Unterschied wahrnehmen kann zwischen der linken aufgewärmten Körperhälfte und der rechten.
Aber keine Angst – ich wiederhole die Atemlenkung auf der rechten Seite und kann so das Gleichgewicht wieder herstellen… und den Tag in Wärme beschließen.
Nicht nur in Schleswig-Holstein liegt derzeit viel Schnee…
Was sind deine Eindrücke? Wärme oder Kälte? Und wie hast du sie wahrgenommen.
Ich bin gespannt auf deine Gedanken.
Teile sie in den Kommentaren.







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