Dein Körper – Dein Weg

Pause, die dich zurück zu dir bringt.

Warum es sich lohnt, alte Gewissheiten über uns selbst wieder einmal infrage zu stellen

Vom Funktionieren und Pausieren
In dieser Reihe schreibe ich über das Dazwischen: über den Wunsch aufzuhören und den Drang, trotzdem weiterzumachen. Über Erschöpfung, Leistung und Rechtfertigung – und darüber, wie schwer es ist, unseren Körper und unsere Grenzen ernst zu nehmen, warum das so ist und wo wir neu denken könnten.

Jedem Neuanfang wohnt ein Zauber inne, oder so?
Ich denke nicht.

Ich denke, vor allem wohnt jedem Neuanfang eine große Portion Mut inne: Wir müssen mutig sein um neu anzufangen. 

Wir lassen etwas Bekanntes hinter uns. Ganz egal, ob es gut oder schlecht, nährend oder auslaugend ist, es ist bekannt. Und mit einem neuen Anfang machen wir uns auf in etwas Unbekanntes. Besser oder Schlechter? Wer kann es wissen?

Wenn wir Neues wagen, neu anfangen, riskieren wir immer auch zu scheitern, hinzufallen, uns zu verschlechtern. Und wer wagt das schon ohne eine große Portion Mut?

Und so passiert es dann, das wir Neuanfänge verschieben, bis wir uns vorstellen können den Mut aufzubringen. Oder wir winken im Vorfeld ab. Zu groß das Risiko. Oder wir glauben, schon das Scheitern vorauszusehen. 

Verschiedene Neuanfänge

Dabei ist es dasselbe Prinzip, egal ob wir nach Indien auswandern, einen Resthof kaufen um uns selbst zu verwirklichen, oder ob wir nur morgen früh aufstehen und den Tag neu beginnen. 

Oder all die kleinen und größeren Neuanfänge dazwischen. 

Sie alle brauchen unseren Mut: ob es eine neue Arbeitsstelle ist, eine neue Beziehung zu uns selbst oder einem lieben Menschen, einmal richtig auf den Tisch hauen, oder eine Versöhnung nach einem Streit….

Oder eben der Moment, wo du durchatmest, den Ärger von vorhin hinter dir lässt und dann weiter durch deinen Tag gehst. 

Neuer Tag, neues Glück

Ich liebe Neuanfänge, denn sie bergen immer auch neue Chancen. 

„Neuer Tag – Neues Glück“ gewissermaßen. Auch wenn es nicht so spektakulär ist wie auszuwandern, so stellen wir uns doch auch im Alltag immer wieder neuen Herausforderungen, haben Erfolg, scheitern, lernen, stehen wieder auf – und fangen neu an. 

Mit diesem Text, der im Rahmen der Blogparade „Es ist nie zu spät, neu anzufangen“ von Monika entstanden ist, möchte ich all die kleinen mutigen Neuanfänge ehren, die uns auch in unserem Alltag begegnen können. 

Und vor allem den Mut, den wir immer und immer wieder aufbringen um weiterzugehen. 

Und ähnlich wie bei ganz großen Neuanfängen kann auch im Kleinen immer wieder etwas Wundervolles entstehen. 

Mein großer Neuanfang

Mein größter Neuanfang in diesem Jahr war ein Singkurs: 

Tatsächlich, ein Singkurs. Hier in der Stimmschule Eckernförde.

Für andere ist dies vielleicht einfach nur ein Hobby. Für mich war das ein großer Neuanfang und hat mich eine große Portion Mut gekostet. 

Wie kann ein Singkurs ein Neuanfang sein?

Es war ein Neuanfang in der Beziehung zu mir.

Es war ein Abschied von Vorstellungen, die ich über drei Jahrzehnte tief verinnerlicht hatte:

  • „Du kannst nicht singen!“,
  • „Du hast kein Rhythmusgefühl, bist nicht musikalisch!“,
  • „Du triffst eh keinen Ton!“  

Ich war mutig. Unbeschreiblich mutig sogar.

Ich habe einen neuen Schritt auf mich zu gewagt. Ich habe mir erlaubt, mit Offenheit auf mich zuzugehen und zu schauen, wie ist es wirklich? Stimmen diese Vorstellungen, oder ist da etwas anderes?

Singen als Neuanfang

Um das Vorwegzunehmen: Der Kurs war großartig und voller Aha-Momente. Und es war ein Neuanfang. Ich habe tatsächlich eine neue Beziehung zu meiner Singstimme gefunden. 

Manches hat sich vielleicht bestätigt: Ich habe tatsächlich ein, sagen wir mal unerforschtes, Rhythmus-Gefühl. Und ich habe natürlich nicht jeden Ton getroffen. 

Aber neu ist: Ich habe gespürt, dass da etwas ist. 

Es scheint tatsächlich ein gewisses Rhythmus-Gefühl in mir zu schlummern und ich kann es weiter entwickeln. So, als würde ich ein Instrument spielen lernen. Das hat mein Denken komplett verändert. Und so habe ich nochmal neu angefangen auf mich selbst und meine Musikalität zu schauen.

Dieser Lernprozess ist natürlich noch lange nicht abgeschlossen, aber der Anfang ist gemacht. Und ich freue mich sehr auf das, was noch kommt, sollte ich mich weiter mit meiner Singstimme ausprobieren.  

Ich mag Neuanfänge, denn sie bergen immer auch neue Chancen. 

Das trifft auch in ganz besonderer Weise auf Wieder-Neuanfänge zu. Wie hier in meinem Singkurs – ein Perspektivwechsel nach 3 Jahrzehnten. Das ist groß. 

Diese Art von Wieder-Neuanfangs-Erfahrung schlummert aber überall dort, wo wir denken „ach das kann ich eh nicht“. Und dann freue ich mich ganz besonders, wenn sich nach einem (weiteren) mutigen Neuanfang ein zartes „Vielleicht kann ich es doch.“ herausstellt. 

In meiner Arbeit als Stimme für Pause & Deep Rest Facilitator höre ich immer wieder „Pause kann ich nicht. Dafür bin ich nicht gemacht.“ oder „Meditieren, still sitzen ist nichts für mich.“

Und vielleicht stimmt das auch bisher. Das ist das alte, das bekannte Muster. Und vermutlich habt hier jemand bisher einfach nicht den passenden Zugang gefunden und das sagt nichts über Können oder Engagement aus. 

Aber welche Möglichkeiten liegen dann in einem Neuanfang?

  • Wir haben uns verändert seit dem letzten Versuch.

Je länger wir diese vorgefasste Meinung mit uns tragen, desto mehr ist in der Zwischenzeit passiert. Und je mehr wir uns verändert haben, desto offener ist auch das Ergebnis, wenn wir einen neuen Anfang wagen. Das darf uns Mut machen.

Denn gerade wenn wir uns von einer vorgefassten Vorstellung verabschieden wollen, haben wir bestimmt einige Erlebnisse, die eben diese Vorstellung festigen. Oder auch schon fehlgeschlagenen Versuche, die Vorstellung zu ändern. 

By the way: Ich habe immer wieder versucht, unter der Dusche zu singen, das aber schnell wieder drangegeben, denn das einhellige Urteil meiner Lieben war: „Lass das lieber“

So werden wir auch manchmal von außen in diesen Vorstellungen bekräftigt. Eventuell sogar ungefragt. 

Dann kostet es natürlich noch mehr Mut, die Perspektive zu ändern. Oder zunächst Zweifel zuzulassen und die Frage „Stimmt das denn überhaupt? Oder schaue ich nochmal neu hin?“

  • Außerdem haben sich vielleicht die Rahmenbedingungen geändert. 


Vielleicht hat unser letzter Meditationsversuch in einem überfüllten Yoga-Studio stattgefunden, wo wir uns ganz und gar nicht wohl gefühlt haben. Vielleicht fühlen wir uns ganz anders, wenn wir zuhause oder in der Natur einen neuen Versuch unternehmen. 

  • Oder, noch eine Möglichkeit: Vielleicht war einfach die Form der Pause nicht die Richtige. 

So wie es unterschiedliche Instrumente gibt, die nicht jeder Musiker automatisch spielen kann, oder unterschiedliche Sportarten, die nicht jeder Sportler automatisch beherrscht. Vielleicht ist hier ein Neuanfang mit einem anderen „Instrument“ im übertragenen Sinne der, der die Perspektive öffnet. 


Die Optionen sind unendlich.

So wie die Ursachen. Die persönliche Geschichte. 

Dabei bleibt die Erfahrung der Vergangenheit immer wahr. Das darf sie auch. Aber wir dürfen uns eben auch öffnen für eine neue Erfahrung in der Gegenwart. Denn vielleicht, ganz vielleicht hat sich ja etwas geändert. 

Und gleichzeitig müssen wir nicht krampfhaft versuchen einen Neuanfang, einen neuen Ausgang für ein Experiment zu erzwingen. Ich meine nicht, dass wir mit aller Kraft gegen alle Erfahrung handeln sollen. Ich möchte dich einladen, neu hinzuschauen. Aus einer neuen, frischen Perspektive. Aus deinem aktuellen Ich, mit deinen aktuellen Stärken, Schwächen und Bedürfnissen. Und dann zu schauen, was sich jetzt ergibt. Denn, wie gesagt, die Optionen sind unendlich…


Und so auch die möglichen Ausgänge eines Neuanfangs.

Wie magisch ist das, wenn wir mutig einen weiteren Anlauf unternehmen? Wenn wir wieder einen Versuch starten, und danach vielleicht noch einen – nicht in dem Bemühen jetzt die perfekte Pause zu machen, aber in der Offenheit für einen neue Erfahrung. 

Wie magisch ist das, wenn aus diesem Wieder-Neuanfang mit „Vielleicht klappt es ja diesmal.“ auf einmal ein „Ahh, ich habe eine Idee davon bekommen“ wird?

In diesem Sinne bleibe ich neugierig, auf das was wir erleben können. Immer dann, wenn wir mutig Chancen auf neue Erfahrungen ergreifen – ob im Alltag oder in den großen Entscheidungen des Lebens. 

Und ich möchte dich von Herzen ermutigen, Pause nicht abzuschreiben, sondern ihr bei Gelegenheit noch einmal eine Chance zu geben. 

Welchen Neuanfang hast du zuletzt gewagt? Und was ist passiert?

Schreib mir gern unten in die Kommentare oder per Mai an christina@deinkoerper-deinweg.de. Ich bin sehr gespannt.


Diesen Text teile ich mit dir als meinen Beitrag zur Blogparade „Es ist nie zu spät neu anzufangen“ im August 2026. Diese Blogparade wurde ausgerufen von Monika von Ausmisten und mehr
Danke für das Thema und die Inspiration zu diesem Text. 

Christina am Ostseestrand, denkt nach über Meditation

Christina | Stimme für Pause


In meinem Newsletter „Zwischen Atem & Alltag“ schreibe ich regelmäßig über Pausen, Erschöpfung, Körperwahrnehmung und die Erlaubnis, nicht immer weiter funktionieren zu müssen.

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2 Kommentare zu „Vom Mut, nochmal neu anzufangen“

  1. Avatar von Monika Köhler

    Liebe Christina,
    wow was für ein schöner Beitrag. Du hast dieses Thema von einer Seite beschrieben, die mir sehr gut gefällt. Das geht sehr tief und regt an zum Nachdenken und reflektieren. Sehr spannend!
    Ich wünsche dir weiterhin viel Freude beim Singen. Bin schon sehr gespannt, auf welcher Bühne du demnächst zu entdecken bist 😉
    UND du bist aus Eckernförde – fast am anderen Ende von Deutschland wie ich, wo ich allerdings auch eine liebe Person kennne, die Neele Krichel. Ich glaube ja nicht an Zufälle….vielleicht kennst du sie ja tatsächlich?
    Alles Liebe Monika 💚

    1. Avatar von Christina

      Liebe Monika,
      wie wundervoll. Ich freue mich sehr, dass meine Perspektive dich so angesprochen hat. Danke dir für deinen ausführlichen und so herzlichen Kommentar.

      In der Zwischenzeit genieße ich erstmal die Freude am Singen, die ich neuentdeckt habe. Aber ich verspreche: Ich melde mich, sobald es für die Bühne reicht😉

      Neele sagt mir bisher tatsächlich nichts, aber jetzt bin ich natürlich neugierig geworden. Und ja, die Welt ist manchmal erstaunlich klein. Vielleicht begegnen wir uns ja wirklich noch.

      Erstmal ganz liebe Grüße,
      Christina

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