Input ja, Output nein

Input ja, Output nein

Über Künstliche Intelligenz, meine Stimme fürs Schreiben und die Frage: Wo ist deine Grenze?

Christina Reinisch | Stimme für Pause

Ich schreibe viel. Und ich liebe es zu schreiben. So sind in diesem Sommer mehr als 15 Blogartikel rund um Pause und das Funktionieren entstanden.

Jeder einzelne trägt meine ganz persönliche Meinung in sich. Fast jeder beginnt mit einem Ausschnitt aus meinem Leben, aus den Gesprächen, die ich führe, oder Beobachtungen, die ich bei einer Tasse Kaffee mache.
Ich teile mit dir, was ich wahrnehme, welche Schlüsse ich daraus ziehe und manchmal auch einen Impuls, der dich inspirieren könnte, die Pausen in deinem Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten oder schlicht an der einen oder anderen Stelle eine Pause in dein Leben einzuladen.

Einer dieser inspirierenden Momente war Ende August eine Session während des Barcamp Kiel.

Merja Mahrt lud ein zu einem Erfahrungsaustausch über „KI und kognitive Souveränität“.

Im Rahmen des Barcamp-Formats ergab sich ein ganz dynamischer Austausch, der viele unterschiedliche Ebenen der KI-Nutzung und der damit verbundenen Herausforderungen tangierte.

👤 Über Merja Mahrt

Merja Mahrt ist Kommunikationswissenschaftlerin, Referentin für Forschungssynthesen am Weizenbaum-Institut und dort zugleich Gleichstellungsbeauftragte. Sie wurde 2010 an der Universität Amsterdam promoviert und habilitierte sich 2017 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Ihre Forschung konzentriert sich auf die sozialen Kontexte und Auswirkungen der Nutzung digitaler Medien.

Mehr über Merja Mahrt und ihre Arbeit: weizenbaum-institut.de/portrait/p/merja-mahrt

Die Frage, die nachklingt

Was in mir aber immer noch nachklingt, ist die Eingangsfrage, die etwas provokant formuliert so lautete: „Wie stehst du zu KI, und in welchen Situationen lässt du dich von KI unterstützen? Und wo denkst du lieber selber?“

Eine oberflächlich betrachtet einfache Frage und mir fielen direkt einige Beispiele ein, wo ich mich von KI unterstützen lasse. Wo ich den einfacheren Weg gehe und z.B. nicht lange ins Blaue recherchiere, sondern KI ganz gezielt nach Veranstaltungen wie z.B. diesem Barcamp suchen lasse.

Und während in meinem Kopf die Liste meiner Anwendungsbereiche für KI immer länger wurde wie meine To-Do-Liste, wenn ich nicht höllisch aufpasse, kristallisierte sich eine Erkenntnis heraus:

Alle diese Anwendungsbereiche haben etwas gemeinsam. Und das lässt sich zusammenfassen mit INPUT.

INPUT: Wo ich mir von KI helfen lasse

Alle diese Anwendungsfälle beschreiben, wie mich KI mit einem ersten Schwung Informationen versorgt, die ich ggf. händisch nachprüfe, aber eben nicht selbst beschaffen muss. Das spart mir einige Kapazitäten:

  • Dort, wo ich früher gegoogelt habe, frage ich jetzt KI. Sie ist für mich eine wertvolle Recherche-Mitarbeiterin. Sie findet Papiere, Thesen, Termine und Menschen mühelos und in kaum nennenswerter Zeit. Hier empfinde ich sie als wertvolle Unterstützung, auf die ich gern zurückgreife.
  • Ähnliches gilt für Brainstorming für mögliche Titel und Untertitel für meine Texte. Hier achte ich darauf, dass sie den Inhalt transportieren, aber gleichzeitig für Suchmaschinen (und KI) leicht zu finden sind – denn du sollst sie ja auch zu lesen bekommen.
  • Oder für die früher zeitaufreibende Suche nach dem richtigen Button oder „Wo kann ich nochmal xy einstellen / formatieren / wiederherstellen …?“

OUTPUT: Meine Stimme für Pause bleibt meine

Und während in meinem Kopf diese Liste immer länger wurde, wurde auch immer klarer, dass es einen Bereich gibt, den ich bisher immer aus dem Einfluss der KI herausgehalten habe – und auch immer heraushalten werde:

Das ist mein OUTPUT als Stimme für Pause.

Meine Texte, z.B. hier im Blog, all das ist MEINE Stimme. Und so soll es auch bleiben.
Es ist mir eine Herzensangelegenheit, MEINE Gedanken in die Welt zu tragen und Menschen zu inspirieren. Das kann und will ich nicht auslagern, abschaffen oder delegieren. An niemand anderen und schon gar nicht an eine künstliche Form der Intelligenz.

Gleiches gilt für meine Vortrags- & Workshop-Formate und ganz besonders für meine Meditationen. Diese kommen von Herzen. Das kann keine KI. Und das ist auch gut so.
Denn das ist MEINE Mission: Pause in die Welt bringen. Nicht die Mission einer KI.

Und deshalb kann das auch niemand so in Worte fassen, wie ich das für richtig halte.

Du darfst also davon ausgehen, dass alle meine Blogartikel, die mit meinem Namen als Autorin gekennzeichnet sind, auch von mir gedacht und zu Papier gebracht wurden.

Wo KI mir trotzdem hilft: reine Information

Reine Informationstexte, wie Angebots- oder Vortragsbeschreibungen lasse ich gern von KI zusammenstellen. Hier geht es nicht primär darum, die Stimme für Pause in die Welt zu tragen, sondern möglichst klar und unmissverständlich z.B. Termindetails oder Rahmenbedingungen zu kommunizieren. Gleiches gilt für Veranstaltungsankündigungen in den sozialen Medien. Hier lasse ich mich unterstützen – damit ich mehr Kapazität für das Wesentliche habe.

Außerdem lasse ich mich unterstützen bei der Rechtschreibprüfung. Meine Erfahrung zeigt, dass ich, wenn ich lange an einem Text gefeilt habe, gewissermaßen betriebsblind werde und nur sehe, was ich glaube, geschrieben zu haben. Ich sehe Tippfehler einfach nicht. Früher hätte ich dafür einen Menschen gebeten, Korrektur zu lesen. Heute ist es schnell und unkompliziert, die KI damit zu beauftragen. Das fällt für mich gewissermaßen unter Informationsbeschaffung und ist deshalb einer der vielen INPUT-Anwendungsfälle.

Transparenz statt Rechtfertigung

Und jetzt, wo mir das in dieser Klarheit bewusst geworden ist, ist es mir ein Bedürfnis, auch für dich Klarheit zu schaffen. Auch wenn du bisher nicht danach gefragt hast.
Dass ich darüber schreibe, bedeutet nicht, dass ich in irgendeiner Weise versuche, dein Urteil vorwegzunehmen oder dass ich mich rechtfertigen müsste oder möchte.
Dieser Text sagt nichts aus über meine Annahmen über deine Meinung.

Ich möchte lediglich Transparenz schaffen.

Wo ist DEINE Grenze?

Und während ein wunderbarer Nebeneffekt des Schreibens ist, dass ich viele Menschen kennenlerne, hallt diese neue Klarheit immer wieder in mir nach.

Nicht nur in der Begegnung mit den Menschen, mit denen ich über die Facetten von Pause spreche, sondern gerade jetzt ganz besonders auch in Begegnungen mit Menschen, zu denen ich über das Schreiben gefunden habe.

In diesem Zusammenhang kommen immer wieder, Gespräche will ich gar nicht sagen, aber Gesprächsfetzen vielmehr, manchmal nur eine Randbemerkung, zu diesem Thema: Künstliche Intelligenz. Wie nutzt DU sie, wo lässt DU dir helfen? Aber selten: „Wo ist deine Grenze?“

Gerade deshalb war der Impuls von Merja Mahrt so inspirierend.
Niemand muss sich für seine KI-Nutzung rechtfertigen, aber ich finde, wir dürfen wissen, wo wir stehen. Ich kann jetzt formulieren, wo MEINE Grenze liegt.

Kannst du es auch? Wo ist DEINE Grenze?

Christina am Ostseestrand, denkt nach über Meditation

Christina Reinisch | Stimme für Pause

Wer schreibt da?

Christina Reinisch

Ich bin Christina

Speakerin & Stimme für Pause aus Kiel. Ich glaube, dass Pause viel besser ist als ihr Ruf – und dass wir aufhören dürfen, unseren Körper wie eine Maschine zu behandeln.

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