Weniger Plan, dafür mehr Leben

Christina Reinisch | Stimme für Pause

Es ist Montag. Normalerweise der Tag, an dem ich zuerst die unangenehmen Dinge erledige – alles, was mir sonst die ganze Woche auf dem Magen liegen würde. Eine Form von „Friss den Frosch“, und genieße danach das Leben. Das funktioniert wunderbar – bis auf die Montage selbst, an denen ich mich regelmäßig durch Rechnungen, Arzttermine, Buchhaltung und Versicherungstelefonate quäle.

Blog-Lounge

Umso mehr habe ich mich heute über Abwechslung gefreut. Heute ist nämlich wieder Blog-Lounge, ein regelmäßiges Co-Writing-Format von Maria Squarra.
Wir treffen uns, um gemeinsam und doch jede für sich an einem Blogartikel zu schreiben. Ich liebe schreiben. Und ich liebe es in Gesellschaft zu schreiben. Dieses Gefühl nicht allein zu sein, sondern zumindest virtuell verbunden, ist eine ganz eigene Energie.

In der letzten Blog-Lounge ist mein Artikel übers Storytelling entstanden.
Das ist ein weiterer Punkt, den ich an diesem Format des Co-Writings liebe: es gibt einen Schreib-Impuls.

Einen Themenvorschlag. Von Maria. Der ist zwar freiwillig, und natürlich habe ich auch einen Liste von möglichen Themen. Fragestellungen, Beobachtungen, Impulse über die ich einmal schreiben möchte…. bald einmal.

Aber nach Impulsen von außen zu schreiben ist etwas Besonderes: das sind in der Regel Themen, auf die würde ich von selbst gar nicht kommen. Zum Beispiel Storytelling. Warum hätte ich über Storytelling schreiben sollen? Als Stimme für Pause? Keine Ahnung.
Aber hier im Rahmen der Blog-Lounge habe ich es gemacht. Weil der Impuls da war.
Und aus genau diesem Impuls ist am Ende sogar meine Reihe „Perspektiven auf Pause“ entstanden.

Und so habe ich mich nach meinem montäglichen Kampf mit Papier aller Art auf eine Pause, auf etwas Schönes nach meinem „Friss den Frosch“ gefreut.

Eine Überraschung

Als es endlich soweit ist: eine Überraschung. Maria und ich sind allein. Eine Blog-Lounge nur zu zweit. Das ist neu. Und wir beginnen uns auszutauschen. Zunächst ein „Wie geht es dir?“ um die Zeit zu überbrücken, vielleicht kommt ja doch noch jemand ein paar Minuten später dazu.

Daraus wird ein Austausch. Wir lernen uns kennen, erzählen von uns. Von Beweggründen, von aktuellen Herausforderungen und Plänen für die Zukunft.
Mit Leichtigkeit kommt eins zum anderen. Kein mühsamer Austausch auf Small Talk Ebene, sondern ein echtes Gespräch. Denn zwar virtuell, aber dennoch echt: zwei echte Frauen im Gespräch.

Unverhofft. Ohne Erwartungen. Ohne Bewertungen. Weil wir die Zeit haben. Und die Gelegenheit.

Ja, wir hätten schreiben können. Sofort. Als klar war, dass niemand mehr dazukommt. Impuls raus, Tastatur raus – und los. War ja der Plan. Hätten wir machen können.

Haben wir aber nicht. Und ich bin froh darum.

Wir haben den Plan gehen lassen.
Weil es sich gut anfühlte, eben nicht sklavisch daran festzuhalten, sondern sich treiben zu lassen. Zu sehen, wohin das Gespräch führt. Einmal die Gegenüber zu sehen. Mit mehr Facetten als nur das Bild, das Teams zeichnet:


Ich habe „Bad-Hair-Day“. Ganz egal.
Ich liege, weil mir auch heute wieder die Energie fehlt, auf dem Stuhl zu sitzen. Egal.
Mein Hund läuft durchs Bild. Auch egal.
Ich fühle mich nicht fleißig, weil ich eigentlich einen Artikel schreiben wollte, jetzt aber mit meiner Tasse Kaffee im Gespräch „versackt bin“. Es ist egal.

Echtheit

Weil hier etwas wundervolles passiert. All diese Oberflächlichkeiten, die das Video transportiert, die Spielraum für Interpretation lassen, die ein ganz bestimmtes Bild von mir zeichnen, werden unwichtig.

Denn im Gespräch entsteht ein ganz anderes Bild von mir. Eins, das irgendwie echter ist. Authentischer. Es zeigt mehr Facetten von mir.
Ich erzähle unter anderem z. B. von meinem Newsletter und warum ich ihn so ganz anders gestalte, als das alle Email-Marketing-Coaches der Welt empfehlen würden. Ich gebe zu, dass ich nicht weiß, ob das „sinnvoll“ ist und stehe dazu, dass sich das für einfach „besser anfühlt“.

Maria erzählt von den vielen Herausforderungen, die sie in den letzten Wochen bewältigt hat. Und was das für ihre zukünftigen Pläne bedeutet. Ich kann auch in ihr ganz andere Facetten wahrnehmen, als das Teams-Bild transportiert und bin ganz bereichert von der gemeinsamen Zeit, als sie schließlich fragt: Wollen wir noch etwas schreiben?

Ja, wir wollen noch etwas schreiben, auch wenn klar ist, dass in der verbleibenden Zeit kein ganzer Blog-Artikel mehr fertig werden wird. Uups, es ist nämlich schon mehr als eine halbe Stunde vergangen.

Aber trotzdem, ich habe es so genossen, wie aus einem virtuellen Bild ein echtes Gegenüber geworden ist. Wie wir ein bisschen Menschlichkeit eingeladen haben in den digitalen Montag Vormittag und was das Leben mir heute wieder gezeigt hat: Manchmal sind Pläne gut. Und manchmal ist es noch besser, sie gehen zu lassen.

Woher die Ideen kommen

Ach so, und weißt du, was der Schreib-Impuls des Tages gewesen wäre? „Woher nimmst du die Ideen für deine Blog-Artikel?“
Ganz kurz: aus dem Leben. Wenn ich zum Beispiel einen Plan habe, und mir erlaube, ihn gehen zu lassen….


Dieser Text ist entstanden während der Blog-Lounge im Oktober 2026. Maria Squarra lädt einmal im Monat zu diesem Co-Writing ein.
Danke für das Thema und die Inspiration zu diesem Text. 

Christina am Ostseestrand, denkt nach über Meditation

Christina Reinisch | Stimme für Pause

Wer schreibt da?

Christina Reinisch

Ich bin Christina

Speakerin & Stimme für Pause aus Kiel. Ich glaube, dass Pause viel besser ist als ihr Ruf – und dass wir aufhören dürfen, unseren Körper wie eine Maschine zu behandeln.

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