Freizeichen

Freizeichen

Pausen, die schon da sind

Christina Reinisch | Stimme für Pause

Das Freizeichen – der Ton, den wir hören, wenn wir warten, dass am anderen Ende des Telefons der Anruf angenommen wird. Oder der Schreib-Impuls aus der 74. Blognacht von Anna Koschinski.

Das Freizeichen – dieser Zwischenraum zwischen „Ich rufe dich an“ und „Wir sprechen miteinander“. Manchmal Sekunden nur, in denen ich mir noch mal meine Worte zurecht lege, oder mein Anliegen präzisiere.

Auf jeden Fall ein Moment des Innehaltens. Ein Moment des Wartens, ein kleines bisschen Ungewissheit. Wie ein Stolpern im Ablauf des Tages. Wie geht es jetzt weiter? Wann geht es weiter?

Warteschleife

Wenn ich mit lieben Menschen telefonieren möchte, ist das Freizeichen meist wirklich nur ein paar Momente.
Wenn ich aber wie neulich mit der Versicherung telefonieren möchte…
Dann ist das Äquivalent zum Freizeichen eine ganz andere Geschichte, eine never-ending Geschichte: die Warteschleifen-Musik.

Früher habe ich in der Warteschleife hängend die Spülmaschine ausgeräumt.
Neulich, habe ich mich nach draußen gesetzt, in den Wind. Frische Luft, tief eingeatmet und das Telefon mit seinem Gedudel neben mich gelegt.
Einfach so. Während ich darauf gewartet habe, dass ich mein Anliegen formulieren konnte.

Es war eine unverhoffte Pause.
Und gar nicht mal so klein;-)

Ich habe einfach da gesessen und gewartet. Die Pause genossen. Diesen Moment, wo nichts anderes von mir verlangt wurde. Wo ich praktisch auf die Reaktion eines anderen Menschen gewartet habe.
Und ja, ich habe es genossen.

Und weil ich in meiner Arbeit als Stimme für Pause immer wieder höre „Für Pause habe ich keine Zeit“, habe ich mich heute für dich auf die Suche gemacht, nach kleinen und größeren Pausen, die in unserem Alltag eh immer wieder entstehen. Ganz bestimmt auch in deinem, wenn du es zulässt.

Wo sich die Pausen verstecken

Ich bin gespannt, wo du dich wiederfindest:

  • Freizeichen oder Warteschleife am Telefon
  • an der roten Ampel
  • auf den Bus oder Fahrstuhl warten
  • warten auf den Wasserkocher, oder drauf, dass der Kaffee durchgelaufen ist
  • an der Supermarktkasse in der Schlange stehen
  • wenn ein Arbeitsschritt erledigt ist, und du noch nicht weißt, wie es weitergeht
  • wenn du nach Hause kommst und die Tür hinter dir schließt
  • …

Erlaubnis

Alle diese Momente haben gemeinsam, dass sie da sind.
Zwischenräume, wie Freizeichen eben.
Ob daraus mehr wird, eine Pause sogar, liegt in deiner Hand.
Denn Pause ist mehr, und entsteht doch durch weniger. Durch Erlaubnis.

Nämlich dadurch, dass du sie nicht automatisch mit etwas „Sinnvollem“ im klassischen Sinne füllst. Etwas Produktivem wie z. B. die Spülmaschine ausräumen, Wäsche aufhängen oder schonmal die nächste Mail schreiben – du kannst die Liste beliebig fortsetzen.

Oder – den Freiraum frei sein lassen und aus bloßem Abwarten eine Pause machen.

Denn machen wir uns nichts vor: niemand wartet gern, und so kann jede dieser Situationen zur Geduldsprobe werden. Ich bin die Erste, die hier verliert.

Es sei denn – ich erlaube mir eine Pause. Ein Aussteigen aus der Hektik, aus meiner Ungeduld und aus der Produktivität.
Und dann kann ich minutenlang den Wind in meinen Haaren genießen, während die Warteschleifenmusik in den Hintergrund rückt.

Wenn du die nächsten Tage durch deinen Alltag gehst, lade ich dich ein, einmal auf die Suche nach solchen „eh-da-Momenten“ zu gehen. Sie lauern ganz bestimmt auch in deinem Alltag.

Und dann entscheide bewusst: schnell die Spülmaschine ausräumen? Oder doch lieber im Wind sitzen?
Beides kann sinnvoll, gut und in deiner konkreten Situation richtig sein.

Aber bewerte bewusst, denn für Pause hast du Zeit.

Die Sammlung

Mehr Inspiration? Momente, in denen der Alltag stolpert?

Den Anfang einer Sammlung findest du hier. Ergänze sie gern mit deinen eigenen Entdeckungen in den Kommentaren.


Dieser Artikel ist während der „Blognacht“ am 23.10.26 entstanden. Die „Blognacht“ wird regelmäßig initiiert von Anna Koschinski.
Anna hält den Zoom-Raum und inspiriert mit einem Schreibimpuls.

Danke für die Gelegenheit, in Gemeinschaft zu schreiben.

Christina am Ostseestrand, denkt nach über Meditation

Christina Reinisch | Stimme für Pause

Wer schreibt da?

Christina Reinisch

Ich bin Christina

Speakerin & Stimme für Pause aus Kiel. Ich glaube, dass Pause viel besser ist als ihr Ruf – und dass wir aufhören dürfen, unseren Körper wie eine Maschine zu behandeln.

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