Christina Reinisch | Stimme für Pause

Es ist der 8. September, wieder ein Tag, um 8 Augenblicke genau festzuhalten. Achtsam festzuhalten. Ein Tag, den ich normalerweise sehr mag, weil ich noch ein bisschen mehr als sonst darauf achte, was ich denke, fühle und wahrnehme.

In der Rückschau dieses 8. Septembers stellt sich heraus, dass dieser Tag eine große Herausforderung war. Kein Moment für sich, aber in der Summe…

In der Rückschau stelle ich mal wieder fest, dass es Tage gibt, denen von Anfang an nicht zu helfen ist. Was hatte ich auch erwartet, als dieser Tag schon um 3 Uhr, draußen war es noch stockduster, begann?

Auch wenn ich an anderen 8. des Monats häufig schöne Momente oder zuletzt z. B. 8 Augenblicke der Freude zusammentragen konnte, beinhaltet Achtsamkeit ja auch, dass wir uns nicht aussuchen, was wir wahrnehmen.

Achtsamkeit bedeutet für mich auch, auch in Momenten, in denen ich wütend bin hinzuspüren, oder wenn die Tränen laufen. Es ist, wie es ist, und diese unbeliebten Gefühle wegzudrücken und zu ignorieren versuchen, tut mir nicht gut. Weiß ich – mittlerweile.

Und ja, mir ist auch schon der Gedanke gekommen, dass wir uns selbst beeinflussen. Dahingehend, was wir wahrnehmen, bzw. welcher Wahrnehmung wir Bedeutung zugestehen und welcher nicht. Vielleicht hatte ich, nachdem der Tag „schlecht“ begonnen hatte, mein Auge mehr auf eher „schlechten“ Momenten. Vielleicht gab es einige gute Momente, die ich so gar nicht wahrgenommen habe, weil ich sie in diesem „der Tag hat viel zu früh begonnen“-Modus gar nicht wahrnehmen konnte. Mag sein.

Aber auch das darf so sein. Ich denke nämlich, dass nach solchen Tagen, denen von Anfang an nicht zu helfen war, oder an denen ich einfach nichts oder nur wenig Gutes wahrnehmen konnte, automatisch andere, leichtere Tage kommen. Meistens jedenfalls.

Am 8. des Monats sammle ich acht Augenblicke aus meinem Alltag: kleine Beobachtungen, Pausen und Naturmomente, die mir begegnet sind.

Inspiriert ist diese Reihe von Susanne von atemsinn.ch.

Danke für die schöne Einladung, den eigenen Alltag mit wacherem Blick zu betrachten.

Hier kommen also meine 8 Momente der Fehlversuche:

  1. 3 Uhr nachts
  2. Der Cacao-Kompromiss
  3. Die volle Tasse
  4. Umzug ins Wohnzimmer
  5. Der Mittagsschlaf, der keiner war
  6. Die Behördenmail
  7. Mein Glimmer-Moment
  8. Der Mückenstich

3 Uhr nachts

3 Uhr, mitten in der Nacht, noch stockdunkel: Ich werde wach. Ich kann nicht sagen, warum. Es ist nur eins präsent, der Wunsch wieder einzuschlafen. Ich beobachte, wie ich mich ermahne, jetzt ja nicht zu denken anzufangen (haha), und konzentriere mich dann auf das Gefühl von Gemütlichkeit, als ich mein Gesicht tiefer ins Kissen drücke und meine Wange den Stoff berührt.

Der Cacao-Kompromiss

4 Uhr, immer noch mitten in der Nacht: Ich bin immer noch wach. Natürlich habe ich zu denken begonnen. Langsam werde ich ungeduldig und bemerke die Angst in mir aufsteigen: „Wie soll nur der Tag werden, wenn ich nicht noch mal einschlafe?“ Ich beschließe, fürsorglich zu mir zu sein, und mir einen warmen Cacao zuzubereiten. Dennoch wäge ich noch lange ab, ob die vage Möglichkeit, danach wirklich wieder einzuschlafen, die Anstrengung wert ist, das Bett zu verlassen und ihn zuzubereiten.

Die volle Tasse

4:20 Uhr: Ich habe mich für den Cacao entschieden, halte nun im Dunkeln die wärmende Tasse in meinen Händen. Ich spüre, wie mich der Geruch ruhiger werden lässt. So viel ruhiger, dass mich jetzt die Angst beschäftigt, die noch volle Tasse in Händen zu halten, wenn ich wieder schlafe. Die Absurdität dessen wird mir erst klar, während ich das aufschreibe.

Umzug ins Wohnzimmer

5 Uhr: Wahnsinn, dass es um diese Zeit immer noch stockfinster ist. Es scheint wirklich Herbst zu sein. Ich bin immer noch nicht eingeschlafen, und da die Nacht eh bald vorbei ist, entscheide ich mich für einen Ortswechsel: ins Wohnzimmer, wo ich liegen kann, ohne jemanden zu stören, wo ich mit meinem aufgewärmten Cacao journaln kann und versuche, mir diese Ruhe, bevor alle anderen aufwachen, als Me-Time zu verkaufen. Dabei bin ich einfach nur müde und gähne ohne Unterlass.

Der Mittagsschlaf, der keiner war

Nachdem ich mich durch den Vormittag geschleppt habe, lege ich mich hin zu meinem Mittagsschlaf. Statt wie sonst ein Yoga-Nidra-Audio anzuhören und gut zu schlafen, lese ich eine Seite, bevor mir die Augen zufallen. Jetzt frage ich mich, „Warum???“ Ich schlafe schlecht, wälze mich hin und her in einem Schlaf, der geprägt ist von diesen „Oh nein, ich werde gleich wach“-Momenten. Kennst du die? Am Ende hast du das Gefühl, du hast gar nicht geschlafen. OK. Am Ende hatte ich das Gefühl, ich hatte gar nicht geschlafen, und stelle mich völlig verkatert (gefühlt) dem Nachmittag.

Die Behördenmail

Mein Entschluss, trotz meines Zustands, am späten Nachmittag wenigstens „etwas Produktives“ zu machen, wird postwendend „belohnt“: Ich wollte E-Mails abarbeiten. Und just da flattert eine neue rein, von einer Behörde. Ich fühle mich falsch behandelt, hilflos, ausgeliefert. Tränen der Wut laufen ganz von selber, als gäbe es kein Halten mehr.

Mein Glimmer-Moment

Meine Lieben haben Verständnis. Sie richten das Abendessen, und gemeinsam lassen wir den Tag vor einem Film ausklingen – an einem ganz normalen Dienstagabend. Das fühlt sich herrlich nach Luxus und Wochenende an. Sie schaffen das Wunder: Diese gemeinsamen zwei Stunden versöhnen mich im Ansatz mit dem Tag. Ich beobachte, wie in mir Frieden einkehrt und eine warme Zufriedenheit.

Der Mückenstich

21 Uhr, wieder liege ich im Bett, und es ist stockdunkel, schon wieder. Es ist wirklich Herbst. Und als ich mich gerade zufrieden in mein Kissen sinken lasse, spüre ich, wie mich eine Mücke in den Fuß sticht. Oberseite oder Seite? Ich kann es nicht sagen. Der ganze Fuß juckt. Den Ausklang des Tages begleitet eine Art Achtsamkeitsübung, in der ich versuche, nur durchs Spüren herauszufinden, wo genau es juckt. Das gelingt mir nicht. Wohingegen das scheinbar Unmögliche gelingt: Anscheinend bin ich genau darüber eingeschlafen.

Christina am Ostseestrand, denkt nach über Meditation

Christina Reinisch | Stimme für Pause

Wer schreibt da?

Christina Reinisch

Ich bin Christina

Speakerin & Stimme für Pause aus Kiel. Ich glaube, dass Pause viel besser ist als ihr Ruf – und dass wir aufhören dürfen, unseren Körper wie eine Maschine zu behandeln.

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Ein Kommentar zu „8 Augenblicke im September 2026: Momente der Fehlversuche“

  1. Avatar von Jennifer Dillmann

    Liebe Christina,
    was für eine Nacht und ein Tag. Ich habe mit Dir mitgedreht und auf Schlaf gehofft. Schön, dass es einen so schönen Ausklang gab. Ja und auch das ist Achtsamkeit, genau diese Momente mitzubekommen.

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