Wie ich die Tür zur Arbeit schließe und in mein eigenes Leben zurückkehre
Ich habe heute genug getan, geschrieben, nachgedacht. Ganz egal, was auf dem Programm stand, jetzt ist der Moment, aufzuhören. Der Moment, ganz bewusst Handy und Laptop auszuschalten und an die Ladestation zu legen.
Jetzt ist Feierabend. Der Rest des Tages gehört mir. Ganz egal, ob es 13 Uhr ist, oder 18 Uhr. Genug ist genug. Damit ich mir das auch glaube, brauche ich ein Ritual. Eine spürbare Pause. Ein Innehalten.
Dabei kommt es für mich nicht drauf an, dass es jeden Tag dasselbe Ritual ist. Wichtig ist mir dieselbe Wirkung. Dieser Moment des Aussteigens aus der Gedankenwelt „Arbeit“.
Dieser Moment, indem ich in mein privates Leben trete UND hinter mir die Tür zur Arbeit schließe.
Das ist wichtig. Sollte ich diese gedankliche Tür nicht hinter mir schließen, spuken die Ideen, Projekte, ToDos immer weiter durch meinen Kopf- und das Ergebnis ist, dass das, was ich tue, mir lästig ist. Mir vorkommt, wie eine Störung in meiner Konzentration, in meinem Fortschritt, meiner Gedankenwelt. Ganz egal, ob meine Tochter mir etwas erzählen möchte, oder ein Hund Steicheleinheiten fordert. Ich bin ungeduldig, abwesend, zerstreut. Einem Hörbuch kann ich nicht folgen, privater Papierkram macht mich aggressiv.
Das möchte ich nicht mehr.
Die Türe schließen
Deshalb ein Ritual, ein bewusstes Schließen der Tür zur arbeitlichen Gedankenwelt.
Ein Ritual, das mir praktisch immer erlaubt, aus den Gedanken rund um Arbeit auszusteigen ist: Duschen. Ja, auch mitten am Tag. Dieses Gefühl, wenn das Wasser alle Gedanken wegspült. Dieser Moment, wenn ich wieder ganz in meinem Körper ankomme, statt im Kopf festzustecken.
Diese Empfindung von Frische und von Neuanfang. Ich liebe es.
Im Winter mit dem Fokus auf der Wärme, die mir das Wasser schenkt, und dem anschließenden Einwickeln in gemütliche, warme Lieblingsklamotten. Um vielleicht einen Tee zu kochen und dann den Rest des Tages zu starten.
Jetzt im Sommer liegt die Magie leicht anders: Hier freue ich mich besonders auf die Erfrischung, auf das kühlende Wasser, auf das sorgfältig ausgesuchte Duschgel vielleicht mit Zitrusduft. Auf das anschließende Gefühl von Erneuerung und einem luftigen Sommerkleid.
Heute gönne ich mir mit Genuss diesen Neuanfang mitten am Tag.
Immer auf der Überholspur
Aber ich erinnere mich noch deutlich an früher, als ich rund um die Uhr ToDos abgearbeitet habe. Vormittags als Angestellte, nachmittags in Haus und Garten, Kinderbetreuung, Weiterbildung und Ehrenamt. Damals bin ich später ins Bett gegangen, um früher aufzustehen, um die ToDo-Liste einigermaßen in Schach zu halten, die ich gefühlt noch im Traum optimierte.
Ich bin durchs Leben gerannt. Immer auf der Überholspur, hier und da ein Augenzwinkern mit anderen Müttern „Wenn die Arbeit vorbei ist, fängt der Tag erst richtig an“. Ein Gefühl von Verbundenheit in der Unausweichlichkeit der hektischen Normalität. Wir alle steckten drin, in der zweiten Schicht. In dem Gefühl, die Stunden der Erwerbsarbeit seien die eigentliche Erholung und am Nachmittag die „2.Schicht“ die eigentliche Herausforderung.
Keine Zeit, mehr noch keine Notwendigkeit für ein Ritual zum Feierabend. Wann hätte das sein sollen? Und wofür? Die ToDo-Liste schlief niemals. Früher haben wir gemeinsam gelacht, heute finde ich es traurig.
Heute mit Freiheit
Mittlerweile gestalte ich meinen Tag und meine ToDo-Liste ganz anders. Mittlerweile kreiere ich bewusst Zeiten, in denen mich meine Verpflichtungen nicht mehr jagen. Es gibt Zeiten, in denen ich bewusst wählen kann, wie ich meine Zeit verbringen möchte, statt blind und auf Autopilot meinen ToDos hinterherzujagen.
Und darin liegt für mich die eigentliche Freiheit: Wählen zu können.
Nicht weiter einem unendlichen Strom von Tätigkeiten zu folgen, ohne das Tempo oder die Richtung bestimmen zu können.
Es geht nicht darum, keine Verpflichtungen zu haben. Papierkram gehört zum Leben dazu. Und das ist ok, dass er mich nervt, wenn ich mich damit auseinandersetze. Aber er darf mir auf die Nerven gehen, weil er so ist, wie er ist. Und nicht, weil er mich aus meiner arbeitlichen Gedankenwelt herausreißt.
Ich möchte mich entscheiden, wie ich meinen Feierabend gestalte. Und dann kann es auch vorkommen, dass ich mich für Papierkram entscheide. Weil er gemacht werden muss. Und weil ich mich freue, wenn es erledigt ist.
Genuss & Präsenz
Und es kann vorkommen, dass ich im Gras liege und Löcher in die Luft schaue. Einfach, weil ich es kann, und weil ich in dem Augenblick Lust dazu habe.
Oder ich koche etwas Schönes. Hin und wieder. Aber wenn, dann mit Muße.
Ich möchte mein Leben genießen. Ich möchte in meinem Leben präsent sein und eben nicht mehr auf Autopilot hindurchjagen. Ich möchte mein Leben intensiv erleben. Intensiv. Und erleben.
Und dazu braucht es diese Tür, die meine Arbeit von meinem Privatleben trennt. Sie muss sorgfältig geschlossen sein.
Neuanfang
Wenn ich dann durch mein Feierabendritual „wie neu“ in mein Leben trete, freue ich mich auf (fast) alles, was dann kommt:
Wenn meine Tochter zu mir ins Gras kommt und mir ganz lange etwas erzählt – und ich höre gebannt zu, weil es nichts Wichtigeres gibt.
Wenn ich gedankenverloren den Hund kraule, ohne Eile.
Wenn ich mit Muße Gemüse schneide für ein wertvolles Abendessen.
Wenn ich Energie habe mich für einen Abend mit meiner Freundin anzuziehen.
Oder, wenn ich mir ein Hörbuch nehme und die Augen schließe, ohne auf die Uhr zu schauen.
Dann fängt mein Tag tatsächlich noch mal an.
Aber nicht als zweite Schicht, sondern als MEIN Tag, mit allen Höhen und Tiefen.
Diesen Text teile ich mit dir als meinen Beitrag zur Blogparade
„Mein liebstes Feierabendritual im Sommer“ im Juli 2026. Diese Blogparade wurde ausgerufen von Stephanie Crumbach von SamenCorn
Danke für das Thema und die Inspiration zu diesem Text.








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