Wie ich meine Arbeit so gestalte, dass mein Körper sie auch langfristig tragen kann 

Vom Funktionieren und Pausieren
In dieser Reihe schreibe ich über das Dazwischen: über den Wunsch aufzuhören und den Drang, trotzdem weiterzumachen. Über Erschöpfung, Leistung und Rechtfertigung – und darüber, wie schwer es ist, unseren Körper und unsere Grenzen ernst zu nehmen, warum das so ist und wo wir neu denken könnten.

Hinter den Kulissen einer Selbständigkeit, die nicht auf permanentem Funktionieren aufbaut

Selbstständig bedeutet „Selbst und Ständig“ – Wer kennt das nicht? Und auch ich habe das lange geglaubt. 

Ich komme ohnehin aus einer Höher-Schneller-Weiter-Mentalität, in der Schlaf weniger wichtig war als die To-Do-Liste. Viele Jahre habe ich mich selbst und meine Arbeitsweise optimiert. Bin früh aufgestanden und dafür spät ins Bett gegangen mit der Idee, alles perfekt zu erledigen.

Außerdem kann ich mich mit voller Begeisterung kopfüber in Projekte stürzen – und ich liebe es. Ich liebe es, mich in ein Thema zu vertiefen. Ich liebe es, dranzubleiben und Fortschritte zu kreieren.

Ich liebe es, hinterher auf meinen Erfolg zu schauen. 


Energieschwankungen

Was mich dagegen über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte genervt hat (und, manchmal auch heute noch nervt) ist, dass meine Energie eben nicht unendlich ist. Schlimmer noch, sie ist nicht ganz genau prognostizierbar und schwankt tagesformabhängig. 

Ein Alptraum für jede Planung. Und für mein Leistungs-Ich, das mich immer wieder gern daran erinnert, dass man Pausen auch durcharbeiten könnte. 

Ja, könnte. Manchmal finde ich das auch einen ansprechenden Gedanken – aber meine Vernunft hält mich meistens zurück. 

Denn, und das ist neu: ich habe tief in meinem Herzen akzeptiert, dass eine nachhaltige Selbstständigkeit nur im Einklang mit meinem Körper funktioniert. Und dann den Kampf gegen meine körperlichen Grenzen aufgegeben. 


Im Klartext bedeutet das:

  • Ich plane viele und regelmäßige Pausen ein. Mein täglicher Mittagsschlaf ist nicht verhandelbar (auch wenn es mich manchmal selber nervt und ich lieber weiterarbeiten würde). Und Wochenenden sind grundsätzlich arbeitsfrei. Diese brauche ich dringend für meine Regeneration – und um die nächste Woche zu überstehen. 
  • Ich erlaube mir zusätzlich genau die Pausen, die ich in der konkreten Situation brauche (z.B. Augen schließen, ein kurzer Schlaf, oder einige Minuten aus dem Fenster schauen, frische Luft, durchatmen. – Je nach Bedürfnis eben)
  • Ich passe die Art meiner Aufgaben an meine Tagesform an. Also erledige ich an Tagen mit mehr körperlichen Einschränkungen wenig und leichte Dinge, oder setze auch mal Tage ganz aus. OHNE mich dafür zu verurteilen. Wenn es nicht geht, geht es nicht. Ein Kampf dagegen kostet mich nur zusätzliche Energie, die ich nicht habe. 

Don’t fight the setting. 

Unser Körper hat nur so viel Energie, wie er eben hat. 


Dein Körper als Ressource

Ich möchte sagen, unser Körper ist unsere allerwichtigste Ressource. Gerade für uns als Selbständige. 

Es reicht aber natürlich nicht, das nur anzuerkennen.

Ich musste konkrete Wege finden, die mir trotzdem eine selbständige Tätigkeit (oder überhaupt eine Tätigkeit) ermöglichen. Unten teile ich einige meiner Systeme. Aber wenn ich ehrlich bin: Ich suche immer noch weiter und wahrscheinlich werde ich nie aufhören können, nach noch passenderen Lösungen für meine Bedürfnisse zu suchen. 

Aber gerade hier lohnt es sich, Wege zu finden. Gerade hier bietet sich die Möglichkeit, eine im Sinne von Energiemanagement nachhaltige Selbstständigkeit aufzubauen, statt permanent über unsere Grenzen zu gehen und gegen Einschränkungen oder den drohenden Zusammenbruch anzukämpfen. 

Meine o.g. „Pausenregeln“ mögen dir wie reiner Luxus vorkommen. Tatsächlich sind sie für mich reine Notwendigkeit – und natürlich sind sie nicht vom Himmel gefallen. Ich habe sie mir über Jahre erarbeitet und bin immer noch aktiv auf der Suche nach weiteren Erleichterungen. Nach mehr Systematisierungen, Standardisierungen und schlicht Abkürzungen, die es mir ermöglichen, diese Pausen umzusetzen. 


Selbständig mit System

Im Folgenden teile ich mit dir meine Systeme, die mich unterstützen, und die mir erlauben meine Selbständigkeit zu leben im Einklang mit den Bedürfnissen meines Körpers. 

Diese Systeme sind explizit nicht dafür gedacht sind, noch mehr in den Tag zu quetschen und noch effektiver zu werden. 

Diese Systeme schützen meine so wertvolle Energie indem sie mich davor bewahren, meine knappe, wertvolle Energie für Wiederholungen, für doppelte Entscheidungen und anderes Durcheinander zu verschwenden. 

Feste Tage entlasten meinen Kopf 

  • Es gibt bei mir feste Tage für feste Tätigkeiten. Dienstag zum Beispiel ist Aufnahme-Tag. Dienstags nehme ich neue Videos oder Audios für u.a. die Meditations-App Insight Timer auf. Ich habe eine extra „Dienstags-ToDo-Liste“, sodass ich immer morgens weiß, was anliegt, und an allen anderen Tagen keine „Dienstags-Tasks“im Kopf jonglieren muss. Ich kann darauf vertrauen, dass ich mich am kommenden Dienstag darum kümmern werde. Analog für die anderen Tage. Das reduziert meinen Mental Load um einiges. 

Vorplanung schafft Puffer

  • Ich plane Veröffentlichungen, sei es mein Newsletter „Zwischen Atem & Alltag“, bei Substack, auf Social Media oder eben Insight Timer immer mehrere Wochen im Voraus. So ist es nicht schlimm, wenn ich zwei Wochen ausfalle, oder mich mit all meiner Energie nur auf Live-Veranstaltungen konzentrieren kann. 

Kontinuität auch an schwachen Tagen 

  • Ich habe immer eine Liste mit „Kleinigkeiten“ für Tage, an denen es mir nicht gut geht. Dann erledige ich ein oder zwei Mini-Aufgaben und fühle mich besser, weil ich wenigstens etwas Winziges gemacht habe. Unter dem Strich bewegt das wirklich etwas – es sorgt für Kontinuität. Und ja, da kommt mein Leistungs-Ich durch. Irgendwann werde ich mich (hoffentlich) auch an schlechten Tagen ganz entspannt zurücklehnen können und gar nichts tun. 

Der Ort bestimmt die Aufgabe

  • Ich arbeite dort, wo ich mich wohl fühle. Und entscheide dann, was ich erledigen kann. Wenn z.B. die Sonne scheint und es drinnen zu warm ist, lege ich mich in den Schatten im Garten. Dort ist das WLAN zu schwach für z.B. E-Mail schreiben. Dann lasse ich mit geschlossenen Augen meine Gedanken kreisen und schreibe irgendwann mit Papier und Stift eine Meditation, die auf diesem Wege entstanden ist. Dann bleibt mein Körper bei Laune und ich habe ein neues Skript für einen kommenden Dienstag. Win Win. 

Weniger Entscheidungen, weniger Mental Load

  • Ich entscheide Dinge – und bleibe dann dabei. Das ist mein allergrößter Hebel in Sachen Mental Load reduzieren. No more Overthinking. 

Energieverbrauch als Entscheidungskriterium

  • Ich entscheide auch intuitiv. Was sich nicht gut anfühlt, darf gehen. Das klingt vielleicht naiv. Aber es geht nicht um die rosarote Brille, sondern um den Schutz meiner Energie. Das hat für mich oberste Priorität! Und wenn mir etwas nicht gut tut, zieht das zu viel Energie. Das war für mich z.B. (wie für viele von uns) lange Zeit Instagram. Dann habe ich es über Monate gehen lassen. Und es war ok für mich. Mittlerweile habe ich einen Weg gefunden, der mich nicht belastet. Nur deshalb durfte es wiederkommen. Das heißt, ich gestalte meine Tätigkeit nicht nach rein analytischen Gesichtspunkten, sondern immer mit Blick darauf, dass es mir gut geht. Nur so kann ich sie auch die kommenden Jahre ausüben, ohne meinen Körper systematisch zu überfordern. 

Hilfe ist Teil meines Systems

  • Ich nehme Hilfe an. Klingt banal. Ist aber auch ein Gamechanger. Einer, der nicht einfach ist, aber glaub mir, wir können das üben!

Templates, Standards und Mehrfachnutzung

  • Ich habe tragfähige Systeme geschaffen: Templates für gefühlt alles. Vorplanen von Veröffentlichungen. Meine Gedanken sind wertvoll – also dürfen sie in verschiedenen Medien in verschiedenen Formen erscheinen. Ich muss nicht jede Woche neue Räder erfinden. 

Technik als Arbeitserleichterung

  • Ich nehme technische Unterstützung in Anspruch. Meine Lieblingstools: Diktiergeräte-App und Transkript-Software – so geht kein Gedanke verloren, auch wenn ich gerade nicht schreiben kann. Und Bleistift und Papier – fühlt sich einfach gut an und meine Gedanken fließen auf diese Art einfach mühelos. 

Diese Art zu arbeiten macht mich nicht jeden Tag maximal produktiv, aber sie ermöglicht mir überhaupt, im Rahmen meiner Möglichkeiten tätig zu sein. Ich darf meiner Leidenschaft folgen, ich darf Menschen inspirieren und – und das ist der größte Gewinn überhaupt: ohne meinen Körper zu übergehen, ohne Angst vor dem Morgen und ohne immer wieder große Zusammenbrüche zu riskieren. 


Von außen betrachtet

sieht meine Tätigkeit vielleicht nach vielen Umwegen, ausgedehnten Pausen und vorbereiteten Abkürzungen aus – kurz absolut nicht geradlinig. 

Und manchmal findet mein Leistungs-Ich das sehr, sehr schade. 

Für mich zählt aber nicht das Außen. Für mich zählt, dass ich diese Tätigkeit ausüben kann. Dass ich jeden Morgen eine Mission habe, die ich in die Welt tragen kann. 

Das möchte ich nicht nur heute und morgen, sondern auch noch im nächsten Jahr. 


Und hier kommt die Magie:

Wenn ich nicht nur auf die Ergebnisse eines einzigen Tages schaue, sondern auf das, was über die Zeit schon entstanden ist, bin ich voller Zuversicht, dass mich mein System weiterhin tragen wird.

Und das erfüllt mich mit Glück und Stolz: Es geht doch. 

Nachhaltig eben. 



Diesen Text teile ich mit dir als meinen Beitrag zur Blogparade „Hinter den Kulissen selbständiger Frauen“ im Juli 2026. Diese Blogparade wurde ausgerufen von Linda Kunze von Leisepreneur
Danke für das Thema und die Inspiration zu diesem Text. 

Christina am Ostseestrand, denkt nach über Meditation

Christina | Stimme für Pause


In meinem Newsletter „Zwischen Atem & Alltag“ schreibe ich regelmäßig über Pausen, Erschöpfung, Körperwahrnehmung und die Erlaubnis, nicht immer weiter funktionieren zu müssen.

Du bekommst persönliche Gedanken, Impulse aus meinem Alltag und Erinnerungen daran, dass Pause kein Luxus ist – direkt in dein Postfach.

Zu „Zwischen Atem & Alltag“ ✉️

Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert